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Kriechender Günsel – eine geachtete Heilpflanze

27. April 2017
günsel

Wenn der Frühling seinen Höhepunkt erreicht, dann können wir den Günsel auf unseren Wiesen und Wäldern entdecken. Kriechender Günsel gehört zu den Lippenblütengewächsen, auch wenn die Oberlippe kaum sichtbar ist. Dafür lädt seine Unterlippe mit der Saftbar Schmetterlinge, Bienen und Hummeln ein, sich an seinem Nektar zu laben. Sein Stängel ist vierkantig und behaart und seine Blütenstände wachsen wie Ähren nach oben. Kriechender Günsel ist völlig anspruchslos und blüht von Mai bis August blau bis blauviolett.

Unsere Vorfahren haben den Günsel als Wundkraut fast schon verehrt.

Bei schlecht heilenden Wunden und Geschwüren, wurde die Pflanze erfolgreich eingesetzt was ihr auch den Namen „Wundermittel“ einbrachte. Leonhart Fuchs, ein bekannter Arzt und Botaniker aus dem 16. Jahrhundert, schrieb in seinem Kräuterbuch den Günsel entweder als Breiumschlag oder als Pulver auf die Wunde zu streuen. Auch als Heilpflanze bei Entzündungen im Rachen- und Mundraum wurde er zum Gurgeln eingesetzt. Wer an Mundfäule litt, konnte sich den Günsel entweder in den Mund legen oder einfach um den Hals hängen. Sobald das Kraut vertrocknet war, war auch die Mundfäule verschwunden.

Aber wir wissen ja, dass Aberglaube und Magie im Mittelalter eine große Rolle gespielt haben. So durfte man den Günsel auch nicht pflücken, da sonst ein Gewitter ausgelöst wird und der Blitz ins Haus einschlägt. Nicht mal an der Pflanze riechen durfte man, da man sonst Sommersprossen bekommt.

Heute wissen wir, welche wertvollen Inhaltsstoffe der Günsel besitzt. Leider wird er volksmedizinisch kaum noch beachtet. Es wird Zeit, dass wir ihm wieder mehr Beachtung schenken.

Kriechender Günsel

  • Ajuga reptans
  • Lippenblütengewächs
  • Blüte von Mai bis August
  • Höhe 7 – 30 cm
  • auf Wiesen und in Wälder
  • Verwechslung: Pyramiden-Günsel, Genfer Günsel
Inhaltsstoffe:
  • ätherische Öle
  • Bitterstoffe
  • Gerbstoffe
  • Harpagosid
  • Ajugalactone
  • Rosmarinsäure
  • Saponine
  • Glykoside
Heilwirkung:
  • antibakteriell
  • antioxidativ
  • appetitanregend
  • blutdrucksenkend
  • entzündungshemmend
  • gallenflussanregend
  • leberstärkend
  • schmerzlindernd
  • wundheilend
  • verdauungsfördernd
  • zusammenziehend
Anwendungsgebiete in der Volksheilkunde:
  • Erkrankungen im Mund- und Rachenraum
  • Rheuma
  • Magengeschwüren
  • Gallenerkrankungen
  • Bluthochdruck
  • Verdauungsstörungen
  • Quetschungen
  • Prellungen
  • Hauterkrankungen
  • Verletzungen
  • Hautentzündungen
  • Wunden
  • Lebererkrankungen

In der Küche werden die jungen Blätter und die Blüten verwendet. Da der Geschmack von Günsel eher bitter ist, sollte er nicht in Massen die Gerichte verfeinern. Er passt super zu gebratenen Gerichten und Kartoffeln. Die Blüten sind eine essbare Dekoration in Salaten, Quarkgerichten oder Desserts.

Ich finde es lohnt sich durchaus, dem Günsel wieder mehr Beachtung in der Volksmedizin zu schenken. Frisch oder getrocknet als Tee, als Gurgelwasser oder als Heilöl kann er uns somit das ganze Jahr gute Dienste tun.

Eure Sarah von „Das Kräuterkörbchen“

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