Pflanzenportraits | Wegerichgewächse

Der Fingerhut – eine herzstarke Pflanze für die Liebe

21. September 2017
Digitalis purpurea

Der Fingerhut gehört zur Familie der Wegerichgewächse. Man unterscheidet zwischen dem gelben und dem roten Fingerhut.

Der rote Fingerhut blüht von Juni – August, ist eine zweijährige Pflanze wobei im ersten Jahr nur die Rosette erscheint. Er erreicht eine Höhe von 40 bis 150 cm und wächst auf Waldschlägen, Waldwegen und Lichtungen. Seine purpurfarbenen Flecken in der Blüte imitieren den Staubbeutel und dient als Locksignal besonders für Hummeln. Er enthält Herzglykoside und ist somit giftig. Schon 2-3 Blätter reichen aus, um daran zu sterben. Die Vergiftung mit dem roten Fingerhut führt zu Herzrhythmusstörungen und zum Tod. Jedoch lindert er auch bestimmte Herzleiden, wenn er richtig dosiert eingesetzt wird. Dies wurde im 18. Jahrhundert von dem englischen Arzt Withering erkannt.

Der gelbe Fingerhut blüht auch von Juni – August, ist aber eine mehrjährige Pflanze und erreicht eine Wuchshöhe von 60 – 120 cm. Man findet ihn auf Bergwiesen, Waldlichtungen und Steinhalden. Wegen seiner Seltenheit ist der gelbe Fingerhut geschützt. Auch er ist giftig, jedoch ist die Wirkung der Herzglykoside nicht so stark wie von dem roten Fingerhut.

Seinen botanischen Namen hat der Digitalis aus dem lateinischen: Digitus für Finger

Weltweit gibt es etwa 25 Arten, die bis nach Nordafrika und im westlichen Asien verbreitet sind.

Wenn der Fingerhut in der Sonne steht, so zeigen seine Blüten stets nach Süden. Kleinere Insekten wird der Eingang zur Blüte durch senkrecht hochstehende Sperrhaare verwehrt. Gewöhnlich können nur Hummeln eindringen. Der vorstehende untere Teil der Blütenglocke dient als Landeplattform. Wenn die Hummel nun zum Nektar vordringt, streift es die Staubgefäße mit dem Rücken, der dabei mit Pollen beladen werden kann.

Damit eine Fremdbestäubung sichergestellt ist, hat sich der Fingerhut was ganz besonders einfallen lassen. Seine Blüten sind vormännlich, das heißt, sie erblühen am Blütenstand von unten nach oben. Wenn die unteren sich im weiblichen Stadium befinden, sind die oberen erst im männlichen Stadium. Hummeln fliegen Blütenstände immer von unten nach oben an, so dass eine Fremdbestäubung sichergestellt ist.

Volksmedizinisch wurde dem Fingerhut weder im Mittelalter noch im Altertum eine große Bedeutung beigemessen. Im 16. Jahrhundert wurde er jedoch in Irland mit magischen Bräuchen gegen den „Bösen Blick“ verwendet. Die Engländer verwendeten ihn als Brechmittel, zur Auswurfförderung bei Bronchitis und um 1700 sogar gegen die Schwindsucht. Aber erst der englische Arzt Withering griff 1775 auf ein altes Familienrezept zurück und behandelte mit den Blättern des roten Fingerhuts erfolgreich Ödeme, welche auf eine Herzerkrankungen zurückzuführen waren. Er führte über mehrere Jahre eine Reihe von Experimenten durch und erkannte, dass sich das Pflanzengift im Körper anreichert, da die Wirkung des Medikaments bei längerer Verabreichung zunahm. Es dauerte jedoch bis nach 1850, bis Digitalis häufiger verschrieben wurde. Der französische Arzt Drebeyne fand heraus, dass Digitalis nicht nur harntreibend, sondern auch herzstärkend wirkt. 1868 konnte dann der Chemiker Nativelle den Wirkstoff isolieren und weitere pharmakologische Untersuchungen fanden statt.

Der Fingerhut wurde im Jahr 2007 zur Giftpflanze des Jahres gewählt

Aber versetzen wir uns doch ein wenig in die Vergangenheit zurück. In eine Zeit, in welcher die Menschen noch sehr eng mit und in der Natur lebten. In ein Zeitalter, welches ohne Internet, ohne Briefverkehr und mit weniger Wissen zurechtkam. Hier hatte alles eine Bedeutung, was in der Natur passierte.

Der Fingerhut wächst an verträumten Waldlichtungen, an Orten, welche die Menschen auch heute noch gerne aufsuchen. Er war die Grenze zur Anderswelt, in die Welt der Zwerge, Elfen, Gnome und Geister. Wen wundert es da, dass unsere Vorfahren daran glaubten, dass die Blüten des Fingerhuts die Hüte der Elfen sind. Oder dass diese im Mondlicht ihre Tänze unter den Blüten vollführten.

Es wird aber auch behauptet, dass die bösen Feen die Blüten den Füchsen als Handschuhe geschenkt hatten. So konnten diese Nachts ungehört in die Hühnerställe eindringen und ihr Unwesen treiben. Die Tupfen seien daher die Fingerabdrücke der bösen Feen.

Der Fingerhut hat auch seinen festen Platz im Jahreskreis und ist als heilige Pflanze im Juli/August aufgeführt. Verräuchert dient er der Vermehrung der Liebe und hält negative Einflüsse fern. Kein Wunder, dass vor dieser herzstarken Pflanze sich Liebespaare ihr Eheversprechen gaben.

Roter Fingerhut

  • Digitalis purpurea
  • Wegerichgewächs
  • Blüte von Juni bis August
  • Höhe bis 2 Meter
  • nährstoffreicher, kalkfreier Boden, Waldwiesen, Kahlschlägen, Wald- und Wegrändern

Inhaltsstoffe:

  • Glykoside, Saponine

Eine Bitte noch zum Schluss: Auch wenn die Pflanze wegen ihrer Giftigkeit nicht gesammelt wird, so lasst sie doch bitte stehen. Sie ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch eine wichtige Nahrungsquelle für unsere Insekten. Mich stimmt es immer sehr traurig, wenn ich giftige Pflanzen zerstört am Boden liegen sehe. Erfreut euch doch einfach an der Schönheit und darüber, dass uns die Natur dieses Wunder geschenkt hat.

Eure Sarah von „Das Kräuterkörbchen“

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